Garapa (Apuleia leiocarpa)
Garapa ist ein südamerikanisches Laubholz mit einer unverwechselbaren warm goldgelben bis honigfarbenen Färbung. Es zählt zu den helleren Tropenhölzern und wird vor allem für Terrassendielen, Bodenbeläge und Holzarbeiten im Außen- und Innenbereich verwendet. Im Vergleich zu den sehr dauerhaften Spitzenhölzern wie Cumaru oder Bangkirai ist Garapa nur mäßig dauerhaft (Dauerhaftigkeitsklasse 3 nach EN 350), dafür aber deutlich günstiger und durch seine helle, gleichmäßige Optik gefragt. Garapa ist damit das warme, goldene und vergleichsweise erschwingliche Hartholz für alle, die einen hellen Terrassenton suchen und die etwas geringere Lebensdauer bewusst in Kauf nehmen.
Botanische Einordnung und Namen
Botanisch handelt es sich bei Garapa um die Art Apuleia leiocarpa (Vogel) J.F.Macbride, oft auch mit der verkürzten Autorenangabe (Vog.) Macbride zitiert. Die Gattung Apuleia ist monotypisch, das heißt Apuleia leiocarpa ist die einzige anerkannte Art dieser Gattung. Die Art gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae beziehungsweise Leguminosae). Ältere Quellen, darunter klassische Holzlexika und CIRAD, ordnen sie der Unterfamilie der Caesalpinioideae zu, während die moderne molekulare Systematik sie der kleinen Unterfamilie Dialioideae zuweist.
Als botanische Synonyme sind unter anderem Apuleia praecox Mart., Apuleia molaris Spruce ex Benth. und das Basionym Leptolobium leiocarpum Vogel gut belegt.
Im Handel und in den Herkunftsländern trägt das Holz zahlreiche Namen:
- Garapa ist der dominierende und international wie in Deutschland gebräuchliche Handelsname.
- Grapia wird häufig als Alternative verwendet, besonders in Südamerika.
- Brasilianische Esche ist ein beschreibender Handelsname, der auf den hellen, eschenähnlichen Look anspielt. Wichtig zu wissen: Garapa ist botanisch nicht mit der echten Esche (Fraxinus) verwandt, der Name verweist nur auf die optische Ähnlichkeit.
- Regionale Namen in Brasilien sind unter anderem Garapeira, Amarelão, Grapiá, Muirajuba und Gema de Ovo (wörtlich Eigelb, ein Hinweis auf den gelben Farbton). In den Nachbarländern heißt das Holz etwa Ibirá-peré (Argentinien) oder Yvyra pere (Paraguay), im englischen Handel Garapa, Grapia oder Brazilian Ash.
Herkunft und Verbreitung
Garapa stammt aus Südamerika. Das wirtschaftlich wichtigste Verbreitungsgebiet ist Brasilien, vor allem die atlantischen Küstenwälder (Mata Atlântica) und die Amazonasregion sowie der Süden des Landes. Das natürliche Areal reicht darüber hinaus nach Argentinien, Paraguay und Bolivien und wird von einzelnen Quellen bis nach Peru, Ecuador, Kolumbien und Venezuela angegeben. Kurz zusammengefasst: Südamerika, vor allem Brasilien, daneben Argentinien, Paraguay und Bolivien.
Der Baum ist ein lichtbedürftiger Baum der halbimmergrünen Laub- und Regenwälder, der meist im Primärwald und nur gelegentlich in Sekundärbeständen vorkommt. Er erreicht eine Wuchshöhe von etwa 20 bis 35 Metern bei einem Stammdurchmesser von rund 0,8 bis 1,5 Metern. Der Stamm ist gerade und zylindrisch und oft über mehrere Meter astfrei.
Aussehen und Farbe
Das Kernholz von Garapa ist warm goldgelb bis honigfarben, frisch oft eher zitronengelb, mit zunehmendem Alter zu einem wärmeren Honigton bis Hellbraun nachdunkelnd. Dieser helle, goldene Farbton ist das wichtigste optische Merkmal von Garapa und der Hauptgrund, warum das Holz gewählt wird.
Die Textur ist fein bis mittel und vor allem gleichmäßig, was dem Holz ein sauberes, ruhiges und edles Oberflächenbild verleiht. Der Faserverlauf ist überwiegend gerade, kann aber auch wechseldrehwüchsig sein. Diese Wechseldrehwüchsigkeit erzeugt auf gespiegelten Brettern einen leichten, bändchenartigen Schimmer (eine dezente Moiré-Zeichnung). Garapa hat einen mäßigen natürlichen Glanz und einen leichten Schillereffekt, je nach Blickwinkel wirkt die Oberfläche heller oder dunkler. Die Zeichnung bleibt insgesamt zurückhaltend und ist nicht so auffällig wie bei stark gemaserten Hölzern.
Das Splintholz ist blasser und gelblich. Es ist nach gängiger Praxis nicht dauerhaft und wird für den Außeneinsatz in der Regel ausgesondert, sodass nur das dauerhaftere Kernholz verbaut wird. Wie alle Hölzer vergraut Garapa im Freien unter UV-Einfluss und Witterung zu einer silbergrauen Patina. Diese Vergrauung ist eine reine Oberflächenveränderung und kein Schaden, bedeutet aber, dass der goldene Farbton ohne regelmäßige Pflege mit Öl verloren geht.
Technische Eigenschaften
Garapa ist ein mittelschweres bis schweres, hartes Laubholz. Die wichtigsten Kennwerte (als konservative Bereiche, da natürliche Materialien streuen):
- Dichte: etwa 800 bis 850 kg/m³ bei 12 Prozent Holzfeuchte (CIRAD rund 790 kg/m³, The Wood Database rund 820 kg/m³).
- Härte: Janka-Härte rund 1.650 lbf, also etwa 7.350 N. Damit ist Garapa deutlich härter als Eiche (rund ein Viertel mehr), aber klar weicher als die sehr harten Tropenhölzer Cumaru und Bangkirai.
- Elastizitätsmodul: rund 15.500 bis 15.900 MPa.
- Biegefestigkeit: etwa 118 bis 128 MPa.
- Schwindmaße: radial rund 4,2 Prozent, tangential rund 7,5 Prozent, volumetrisch rund 11,4 Prozent (T/R-Verhältnis etwa 1,8). Das bedeutet ein mäßiges bis etwas höheres Arbeiten des Holzes.
Garapa ist fest und steif für sein Gewicht und damit ein guter konstruktiver Werkstoff. Die gute Härte sorgt für eine ordentliche Kratz- und Abriebfestigkeit auf der Terrasse.
Natürliche Dauerhaftigkeit
Das Kernholz von Garapa wird nach EN 350 in die Dauerhaftigkeitsklasse 3 (mäßig dauerhaft) gegen holzzerstörende Pilze eingestuft. Garapa liegt damit ein bis zwei Klassen unter den Spitzenhölzern Cumaru (Klasse 1, sehr dauerhaft) und Bangkirai (Klasse 1 bis 2). Je nach Quelle finden sich auch Angaben mit Klasse 2, maßgeblich für den europäischen Markt ist die Einstufung nach EN 350.
Weitere Punkte zur Beständigkeit:
- Gegen Termiten ist Garapa nur mäßig widerstandsfähig (Klasse M nach EN 350), also nicht termitensicher.
- Das Splintholz ist nicht dauerhaft und gehört nicht in den dauerhaften Außeneinsatz.
- Garapa ist schwer zu imprägnieren (Tränkbarkeitsklasse 3, schlecht imprägnierbar). Die Dauerhaftigkeit kommt also aus dem Holz selbst und aus guter Detailausbildung, nicht aus einer Druckimprägnierung.
- CIRAD weist ausdrücklich darauf hin, dass die natürliche Dauerhaftigkeit von Garapa schwankt, teils sogar innerhalb eines einzelnen Bretts.
Garapa eignet sich für die Gebrauchsklasse 3 nach EN 335 (außen, über dem Boden, ohne Erd- oder Wasserkontakt), also für Terrassen, Fassaden und ähnliche Anwendungen. Für dauerhaften Erd- oder Wasserkontakt (Gebrauchsklasse 4) ist es ohne Schutzmaßnahmen nicht geeignet, Pfosten gehören also nicht ungeschützt in den Boden. Eine realistische Lebensdauer einer gut geplanten, belüfteten und gepflegten Terrasse liegt bei etwa 15 bis 20 Jahren. Das ist eine Erfahrungsschätzung, kein garantierter Laborwert, und hängt stark von Pflege, Belüftung und Detailausbildung ab.
Verarbeitung und Verlegung
Garapa lässt sich trotz seiner Dichte recht gut bearbeiten und nimmt Öle und Beschichtungen gut an. Wegen des hohen Silikatgehalts und des teils wechseldrehwüchsigen Faserverlaufs ist es aber hart zu den Werkzeugen: CIRAD bewertet den stumpfenden Effekt als hoch und empfiehlt hartmetallbestückte Werkzeuge, da gewöhnliche Stahlklingen schnell abstumpfen.
Für die Verlegung als Terrassendiele gelten folgende Punkte:
- Vorbohren ist Pflicht. Das Holz hält Schrauben und Nägel gut, neigt aber zum Spalten. Besonders an den Brettenden sollte vorgebohrt werden, um Endrisse zu vermeiden.
- Edelstahlbefestiger verwenden. Empfohlen werden Edelstahlschrauben A2 (V2A), bei sichtbarer Verschraubung sowie in Küsten- oder Poolnähe besser A4 (V4A). So werden schwarze Verfärbungen rund um die Schraube durch Gerbsäuren und Feuchtigkeit vermieden.
- Belüftet und über dem Boden verbauen. Gute Hinterlüftung und Entwässerung sind wichtig, da Garapa zum Arbeiten und zu leichten Verformungen (Distorsion) neigt.
- Dehn- und Lüftungsfugen einhalten und die Bretter vor dem Verlegen akklimatisieren lassen.
- Nur kernholzhaltige, splintfreie Ware für den Außeneinsatz wählen.
Beim Trocknen verhält sich Garapa langsam, das Risiko von Verformung ist hoch, das Risiko von Oberflächenrissen eher gering. Richtig getrocknetes und akklimatisiertes Material ist deutlich ruhiger.
Verwendung
Die typischen Einsatzbereiche von Garapa sind:
- Terrassendielen und Außenbeläge
- Bodenbeläge im Innen- und Außenbereich, auch stärker beanspruchte Böden
- Treppen im Innenbereich
- Tischlerarbeiten, Fenster und Türen sowie Innenausbau
- Möbel und Möbelteile
Wegen seiner Zähigkeit wird Garapa darüber hinaus auch für stark beanspruchte Anwendungen wie Werkzeugstiele oder im Wasserbau eingesetzt. Für den Terrassen- und Holzfachhandel stehen aber die Terrassendielen, Bodenbeläge und Holzarbeiten im Vordergrund. Kommerziell ist Garapa das warme, goldene und im Tropenholzvergleich gut bezahlbare Mittelklasseholz.
Pflege
Wer den goldenen Farbton erhalten möchte, behandelt die Terrasse regelmäßig mit einem (am besten pigmentierten) Hartholz- oder Terrassenöl. Das Öl bremst die Vergrauung, hält die Farbe länger frisch und mindert die Bildung feiner Oberflächenrisse, muss aber in Abständen erneuert werden. Wer die Pflege geringhalten möchte, lässt das Holz bewusst zu einer silbergrauen Patina vergrauen. Das ist eine gleichwertige, rein optische Entscheidung. Wichtig ist: Ein Öl verlängert vor allem die Optik und schützt die Oberfläche, es verleiht Garapa aber keine zusätzlichen Dauerhaftigkeitsklassen.
Nachhaltigkeit und Legalität
Apuleia leiocarpa ist nicht in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet und steht nicht als bedroht auf der Roten Liste der IUCN. Für den Handel ist also kein CITES-Nachweis erforderlich.
Da Garapa ein tropisches Laubholz brasilianischer beziehungsweise südamerikanischer Herkunft ist, gelten die europäischen Sorgfaltspflichten: die EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) und, ab ihrem Anwendungsbeginn, die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Maßgeblich sind ein Nachweis der legalen Herkunft und eine ordnungsgemäße Sorgfaltspflicht. Die kontrollierte Herkunft des Holzes ist über das Green-Choice-Siegel dokumentiert.
Zusammenfassung
Garapa überzeugt durch seine warme goldgelbe Farbe, eine feine, gleichmäßige Oberfläche, eine gute Härte (härter als Eiche) und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Tropenholz. Es gibt aber auch Grenzen: Garapa ist nur mäßig dauerhaft (EN 350 Klasse 3), vergraut im Freien, der goldene Farbton verändert sich mit der Zeit, das Holz neigt zu Bewegung und feinen Oberflächenrissen, das Splintholz ist nicht dauerhaft. Damit ist Garapa kein Ersatz für Cumaru oder Bangkirai bei der Langlebigkeit, sondern die helle, goldene und erschwingliche Alternative mit realistischer Terrassenlebensdauer von etwa 15 bis 20 Jahren bei guter Pflege und sauberer Detailausbildung.