Accoya ist ein Markenname und ein Verfahren, keine botanische Holzart. Hersteller ist Accsys Technologies, acetyliert wird im Werk Arnheim in den Niederlanden und seit September 2024 zusätzlich in Kingsport, Tennessee. Ausgangsholz ist nach der deutschen Zulassung Pinus radiata D. Don aus Neuseeland, im Handel Radiata- oder Monterey-Kiefer. Das Holz wird mit Essigsäureanhydrid verestert, bis der Acetylgehalt an jeder Stelle des Querschnitts mindestens 19 Prozent erreicht. Aus einem Nadelholz mit nicht dauerhaftem Splint wird so ein Material der Dauerhaftigkeitsklasse 1 nach EN 350.
Dieser Eintrag beschreibt die Chemie hinter dem Verfahren, die belegten Kennwerte, die Grenzen der deutschen Zulassung und den Unterschied zur Furfurylierung bei Kebony und zur Thermobehandlung.
Was bei der Acetylierung in der Zellwand geschieht
Die Zellwand trägt Hydroxylgruppen, also freie OH-Gruppen, die Wasser anziehen. Bei der Acetylierung reagieren die zugänglichen davon mit Essigsäureanhydrid zu einer Esterbindung, Nebenprodukt ist Essigsäure. Die Reaktion läuft nach Mantanis (2017) bei 100 bis 120 Grad Celsius, heute meist ohne Katalysator.
- Es ist eine Einfachaddition ohne Polymerisation: Auf eine Hydroxylgruppe kommt eine Acetylgruppe, ein Kunstharz entsteht dabei nicht.
- Bei 16 bis 19 Prozent Gewichtszunahme sind nach Mantanis (2017) rund 90 Prozent des Lignins und etwa 25 Prozent der Holocellulose verestert.
- Die Acetylgruppe ist größer als das Wassermolekül und belegt Raum in der Zellwand. Zugleich sinkt die Zahl der wasserbindenden Gruppen, der Fasersättigungspunkt fällt bei rund 20 Prozent Beladung unter 15 Prozent.
Unbehandelte Kiefer enthält von Natur aus etwa 1,4 Prozent Acetylgruppen, nachzulesen bei Rowell, Handbook of Wood Chemistry and Wood Composites, Tabelle 14.8. Accoya erreicht ein Vielfaches davon. Die Elementzusammensetzung bleibt nach Mantanis (2017) gleich: acetyliertes Holz besteht wie unbehandeltes aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, ein Biozid wird nicht eingebracht. Die Zulassung Z-9.1-865 hält fest, dass die Modifikation zu einer Dichtezunahme des Holzes führt.
Das Ausgangsholz und was die Zulassung festlegt
Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-9.1-865 des Deutschen Instituts für Bautechnik nennt ausschließlich Pinus radiata aus Neuseeland, Code PNRD nach DIN EN 13556. Zugelassen ist Splintholz mit einem Kernholzanteil von höchstens zehn Prozent.
Splintholz gilt nach EN 350 artunabhängig als nicht dauerhaft und fällt in die schlechteste Klasse 5. Das ist der Ausgangspunkt, gegen den die spätere Klasse 1 zu lesen ist: Die Dauerhaftigkeit stammt aus dem Verfahren, nicht aus dem Rohholz. Entsprechend streng ist die Kontrolle. Die Zulassung verlangt eine Prüfung des Acetylgehalts je Herstellcharge und eine mindestens jährliche Fremdüberwachung, und zwar auf den Wert an jeder Stelle des Querschnitts. Der Geltungsbereich für tragende Bauteile umfasst Breiten von 100 bis 250 mm und Dicken von 25 bis 100 mm. Terrassendielen sind keine tragenden Bauteile und fallen nicht unter diesen Geltungsbereich.
Kennwerte im Überblick
Die Werte stammen aus der Zulassung Z-9.1-865, dem FCBA-Zertifikat CTB 517 und den Herstellerdatenblättern.
| Kennwert | Wert | Grundlage |
|---|---|---|
| Rohdichte (Mittel) | 510 bis 515 kg/m³ | FCBA, Hersteller |
| Rohdichte je Stück | mindestens 440 kg/m³ | Z-9.1-865 |
| Acetylgehalt | mindestens 19 %, an jeder Stelle des Querschnitts | Z-9.1-865 |
| Brinellhärte | 24,0 N/mm² | Hersteller, EN 1534 |
| Schwinden nass bis darrtrocken | radial 0,7 %, tangential 1,5 % | Hersteller, ISO 4469 |
| Ausgleichsfeuchte bei 65 % rF | 3 bis 5 % | Hersteller |
| Festigkeitsklasse | Sortierung A1 nach C22, Sortierung A2 nach C16 | Z-9.1-865, EN 338 |
Zwei Angaben werden gern verwechselt: die gemessene Rohdichte von 510 bis 515 kg/m³ ist eine Messung, die charakteristische Rohdichte der Klasse C22 von 340 kg/m³ ein Bemessungskennwert. Beim Schwindmaß gibt es eine zweite Stolperstelle. Der Hersteller nennt in einer weiteren Tabelle desselben Dokuments, in der es um die Bewegungsstufen geht, 0,8 und 1,6 Prozent für denselben Trocknungsweg von nass bis darrtrocken. Beide Wertepaare sind Herstellerangaben, unsere Produktseite zitiert die zweite Tabelle.
Die Brinellhärte von 24,0 N/mm² ist ein Herstellerwert nach EN 1534, das FCBA-Zertifikat nennt 23,4 N/mm² als 5-Prozent-Ausschlusswert. Die Acetylierung erhöht die Härte nach Mantanis (2017) um 15 bis 30 Prozent, der Hersteller nennt zusätzlich eine höhere Druckfestigkeit. Ein Hartholz wird daraus nicht. Die Schlagbiegefestigkeit von 50 kJ/m² nach DIN 52189-1 liegt nach der FCBA-Prüfung auf dem Niveau der unbehandelten Radiata-Kiefer. Bemessen wird weiterhin nach C22 oder C16, der deutlichste Gewinn liegt bei der Formstabilität.
Dauerhaftigkeit nach EN 350
EN 350 teilt den Widerstand gegen holzzerstörende Pilze in fünf Klassen ein, von 1 für sehr dauerhaft bis 5 für nicht dauerhaft. Das FCBA-Zertifikat CTB 517 führt Accoya in Klasse 1. Geprüft wurde nach EN 113 und ENV 807, jeweils nach Auslaugung gemäß EN 84. Nach EN 46-1 trat zudem keine Schädigung durch Holzinsektenlarven auf.
Der Mechanismus dahinter ist kein Gift, sondern Trockenheit. Holzzerstörende Pilze brauchen eine ausreichend hohe Holzfeuchte, und da die wasserbindenden Gruppen weitgehend besetzt sind, bleibt die Ausgleichsfeuchte unter der Schwelle, ab der ein Abbau möglich wird. Mantanis (2017) nennt daneben zwei weitere diskutierte Wirkmechanismen, die Blockade der Zellwandporen und die Hemmung pilzlicher Enzyme. Bei Termiten fällt das Bild uneinheitlich aus: Im Wahlversuch nach EN 117 in modifizierter Form wurde das Material nicht geschädigt, im Zwangsfütterungsversuch nach EN 118 gilt es als schädigungsanfällig.
Ein zehnjähriger Erdpfahltest in Griechenland, veröffentlicht von Mantanis, Lykidis und Papadopoulos 2020 in Polymers 12, 1638, zeigt beides. Die Accoya-Pfähle erhielten die Abbaustufe 0, unbehandelte Kiefer als Kontrolle war nach fünf Jahren zerstört. Gemessen wurden am Ende aber ein um 32,8 Prozent geringerer Elastizitätsmodul und ein um 29,6 Prozent geringerer Bruchmodul. Kein sichtbarer Abbau ist also nicht dasselbe wie unveränderte Mechanik.
Gebrauchsklassen und die Grenze der deutschen Zulassung
EN 335 beschreibt mit den Gebrauchsklassen, wie stark ein Bauteil befeuchtet wird. Die Skala reicht von Klasse 1 im Trockenen über Klasse 4 mit Erd- oder Süßwasserkontakt bis Klasse 5 mit Meerwasserkontakt. Hersteller und FCBA führen Accoya für die Gebrauchsklassen 1 bis 4, also einschließlich Erdkontakt.
Die deutsche Zulassung ist enger. Für tragende Bauteile erlaubt Z-9.1-865 die Außenanwendung nur bis Gebrauchsklasse 3.2 nach DIN 68800-1, Erdkontakt ist damit nicht abgedeckt. Bemessen wird in den Nutzungsklassen 1 bis 3 nach DIN EN 1995-1-1. Vorausgesetzt wird, dass Schmutzeinlagerungen etwa in Trockenrissen oder an Verbindungsteilen verhindert werden, mit stauwasserfreien Anschlüssen und Hirnholzschutz. Die Eignung für Aufenthaltsräume ist darin nicht nachgewiesen, das ist eine Aussage über fehlende Prüfnachweise.
Wie sehr es auf solche Details ankommt, zeigt ein dokumentierter Schadensfall. An Sitzbänken aus acetyliertem Brettschichtholz im Berliner Park am Gleisdreieck, aufgestellt 2011, traten ab 2016 Pilzfruchtkörper auf, vor allem an Hirnholzenden und Klebefugen.
Acetylierung, Furfurylierung und Thermobehandlung
Drei Verfahren machen Holz dauerhafter, jedes anders.
- Acetylierung ist additiv. Die Zellwand nimmt bei rund 20 Prozent Gewichtszunahme Masse auf und wird schwerer, die Schlagbiegefestigkeit bleibt nach der FCBA-Prüfung erhalten.
- Furfurylierung, das Verfahren hinter Kebony, tränkt das Holz mit Furfurylalkohol und härtet ihn im Holz zu einem Furanharz aus. Die Gewichtszunahme unterscheidet sich je nach Sortiment: Kebony Clear liegt nach Lande (2017) im Mittel bei rund 35 Prozent, Kebony Character bei rund 20 Prozent und damit auf dem Niveau von Accoya. Härte und Steifigkeit steigen, das Material wird dabei spröder.
- Thermobehandlung ist subtraktiv. Bei 180 bis 220 Grad Celsius unter Sauerstoffabschluss werden vor allem Hemicellulosen abgebaut, Quellen und Schwinden gehen je nach Holzart um 40 bis 80 Prozent zurück. Der Preis ist eine geringere Festigkeit, Erdkontakt und Termitenresistenz sind nicht abgedeckt.
Beim Thermoholz verliert die Zellwand Substanz, bei der Furfurylierung wird ein Polymer eingelagert, bei der Acetylierung wird die vorhandene Zellwand umgebaut.
Brandverhalten
An dieser Stelle sind ältere Datenblätter überholt. Bis 2024 trug Accoya die Euroklasse D-s2,d0 nach EN 13501-1, hergeleitet über die Einstufung ohne weitere Prüfung. Seit August 2024 ist dieses Verfahren für modifiziertes Holz nicht mehr zulässig, erforderlich sind Prüfungen nach EN 13823 und EN ISO 11925-2. Danach ergibt sich für ein 19 mm starkes Nut- und Federprofil über einem 40 mm hinterlüfteten Hohlraum die Klasse E. Nach Herstellerangabe liegt der Wert nur fünf Prozent unter der Schwelle zu Klasse D. Klasse D ist erreichbar, aber nicht in jedem Aufbau. Klasse B nennt der Hersteller als höchste für Holz erreichbare Einstufung, erreichbar mit einer Brandschutzbehandlung, die nach EN 13501-1 klassifiziert ist.
Bauaufsichtlich gilt in Deutschland weiterhin die Zulassung mit der Baustoffklasse B2 nach DIN 4102-1, also normalentflammbar, in der Fassung vom Februar 2022. In der üblichen Zuordnung der Euroklassen zu DIN 4102-1 zählen sowohl D als auch E als normalentflammbar, die Prüflage ab August 2024 stellt die B2-Einstufung also nicht in Frage.
Säure, Befestigungsmittel und Verarbeitung
Unter feuchten Bedingungen liegt der pH-Wert bei 4 bis 5,5. Daraus folgt die Anforderung an alles Metall im Kontakt mit dem Holz. Die Zulassung schreibt für Verbindungsmittel und Stahlteile mindestens nichtrostenden Stahl der Korrosionsbeständigkeitsklasse CRC II nach DIN EN 1993-1-4 vor. Der Hersteller empfiehlt Edelstahl A2 (1.4301) und A4, korrosionsbeständiges Aluminium und Marine-Messing. Verbindlich ist für tragende Bauteile die Zulassung.
Zum Verschrauben empfehlen wir Edelstahlschrauben A2 (V2A), bei sichtbarer Verschraubung, in Küsten- oder Poolnähe sowie bei besonders gerbstoffreichen Hölzern besser A4 (V4A), damit sich um die Schraubenköpfe keine dunklen Gerbstoffränder bilden.
Ohne vorgebohrte Löcher gilt Accoya nach DIN EN 1995-1-1 als spaltgefährdete Holzart. Die Mindestabstände richten sich dabei nach der charakteristischen Rohdichte im Bereich über 420 bis 500 kg/m³, nicht nach der gemessenen mittleren Rohdichte.
Nachhaltigkeit und Zertifikate
Accoya wird als FSC Mix geführt, also mit mindestens 70 Prozent FSC-Anteil, rückverfolgbar über eine Chargennummer am Brettende. Dazu kommen Cradle to Cradle in Platin für Material Health, Gold in der Gesamtbewertung und eine Umweltproduktdeklaration nach EN 15804+A2. Diese weist je Kubikmeter rund 802 kg CO2-Äquivalent biogene Kohlenstoffaufnahme aus, die am Lebensende wieder freigesetzt wird.
Häufige Fragen zu Accoya
Ist Accoya eine eigene Holzart?
Nein. Accoya ist eine Marke und ein Verfahren, das Holz darunter ist Radiata-Kiefer, botanisch Pinus radiata D. Don.
Wird das Holz durch die Acetylierung fester?
Nur zum Teil. Die Schlagbiegefestigkeit bleibt nach der FCBA-Prüfung erhalten, die Härte steigt nach Mantanis (2017) um 15 bis 30 Prozent, der Hersteller nennt außerdem eine höhere Druckfestigkeit. Bemessen wird trotzdem nach C22 oder C16, der große Gewinn liegt bei der Formstabilität.
Gilt die Dauerhaftigkeitsklasse 1 auch im Erdreich?
Nicht uneingeschränkt. Hersteller und FCBA führen Accoya bis Gebrauchsklasse 4 mit Erdkontakt, die deutsche Zulassung erlaubt für tragende Bauteile nur bis 3.2.
Accoya bei naturholz.de
Im Sortiment stehen glatte Terrassendielen in zwei Stärken und die durchgefärbte Variante Color Grey, die Maße und die Sortierung stehen auf der Produktseite. Wer zwischen Accoya und Kebony schwankt, entscheidet meist über Optik und Härte. Bei der Dauerhaftigkeit steht Accoya in Klasse 1, Kebony Clear ebenfalls, Kebony Character führen wir mit Klasse 2. Fragen zu Unterkonstruktion und Befestigern beantworten wir im Einzelfall.