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Holzlexikon

Thermoesche

Thermoesche: thermisch modifizierte Esche für den Außenbereich

Thermoesche ist keine eigene Holzart, sondern europäische Esche (Fraxinus excelsior), die durch ein Hitzeverfahren für den Außenbereich tauglich gemacht wurde. Im Thermoholz-Verfahren wird das Holz unter Wasserdampf und weitgehendem Sauerstoffausschluss auf rund 190 bis 215 Grad Celsius erhitzt, je nach Anlage mit Prozessspitzen bis etwa 230 Grad und Gesamtlaufzeiten von rund 50 bis 80 Stunden. Chemische Zusätze kommen dabei nicht zum Einsatz. Es arbeiten allein Hitze und Dampf.

Bei diesen Temperaturen verändert sich die Zellstruktur des Holzes. Wasseraufnehmende Zellbestandteile, vor allem Hemicellulosen, werden abgebaut, und das Lignin baut sich um. Das Ergebnis ist ein Holz, das weniger Feuchte aufnimmt, Pilzen kaum noch Nahrung bietet und durchgehend dunkelbraun gefärbt ist. Die Dauerhaftigkeit stammt also aus dem Umbau der Zellwand, nicht aus einem aufgetragenen Schutz.

Der wichtige Unterschied zu unbehandelter Esche

Thermoesche und unbehandelte Esche sind nicht dasselbe Holz mit anderem Anstrich. Unbehandelte Esche ist im Außenbereich nicht dauerhaft. Nach DIN EN 350 fällt sie in die schlechteste Dauerhaftigkeitsklasse 5 (nicht dauerhaft), weil in den Zellwänden keine schützenden Kernstoffe eingelagert sind. Sie ist anfällig für Pilz- und Insektenbefall und wird deshalb üblicherweise nur im Innenbereich verwendet. Erst die thermische Modifikation macht die Esche außentauglich. Die verbesserten Eigenschaften sind damit die Leistung des Verfahrens und keine Eigenschaft der Holzart selbst.

Eigenschaften nach der Behandlung

Dauerhaftigkeit

Nach der Thermobehandlung wird Esche häufig in Dauerhaftigkeitsklasse 1 (sehr dauerhaft) nach DIN EN 350 eingestuft, je nach Quelle konservativer in die Bandbreite Klasse 1 bis 2. Das ist eine der höchsten Stufen, die sich ohne chemischen Holzschutz erreichen lassen. Bei fachgerechter Unterkonstruktion (Gebrauchsklasse 3.2) wird eine Nutzungsdauer im Außenbereich von rund 25 bis 30 Jahren genannt.

Formstabilität

Die Behandlung senkt die Wasseraufnahme deutlich und reduziert Quellen und Schwinden stark. Thermoesche reagiert wesentlich weniger auf Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte und arbeitet damit weniger als unbehandeltes Holz. Für eine begehbare Terrassenfläche ist das ein spürbarer Vorteil.

Geringere Festigkeit und Sprödigkeit

Dieselbe Behandlung, die dauerhaft und formstabil macht, hat eine Kehrseite, die klar dazugehört. Die mechanische Festigkeit sinkt. Die Biegefestigkeit (MOR) liegt gegenüber unbehandelter Esche typisch um rund 20 bis 30 Prozent niedriger. Der Abbau der Hemicellulosen und der Umbau des Lignins machen das Holz spröder und damit empfindlicher gegen Schlag- und Spaltbelastung. In der normalen Nutzung als begehbare Diele auf ausreichend engem Achsmaß der Unterkonstruktion ist das unkritisch. Wichtig wird es bei der Befestigung und bei hoher lokaler Punktlast. Die geringere Tragfestigkeit lässt sich durch kleinere Abstände der Unterkonstruktion gut ausgleichen.

Dichte, Härte und Splitterbildung

Weil bei der Hitzebehandlung Masse abgebaut wird, liegt die Rohdichte etwas niedriger als bei roher Esche. Die Angaben der Quellen streuen dabei stark, weshalb man sie am besten als Bandbreite und nicht als festen Wert versteht. Thermoesche bleibt ein vergleichsweise hartes Laubholz, auch wenn die Thermomodifikation die Oberflächenhärte tendenziell etwas senkt. Ein praktischer Nebeneffekt der Behandlung: Schiefer- und Splitterbildung sind gegenüber unbehandeltem Holz deutlich reduziert, was für barfuß begangene Flächen angenehm ist.

Farbe und Vergrauung

Durch die Hitze färbt sich das Holz durchgehend dunkelbraun. Diese Färbung ist keine Oberflächenschicht, sondern reicht durch den Querschnitt. Wie jedes unbehandelte Außenholz vergraut auch Thermoesche unter UV-Strahlung und Witterung. Ohne pflegende Öl-Behandlung geht der dunkelbraune Ton im ersten Jahr in ein Silbergrau über. Diese Vergrauung ist rein optisch und beeinträchtigt die Dauerhaftigkeit nicht. Wer den dunklen Ton halten möchte, ölt regelmäßig nach.

Einsatz als Terrassendiele

Klassische Einsatzgebiete sind Garten- und Hausterrassen, Balkone, Dachterrassen, Stege sowie Pool- und Teichumrandungen, jeweils mit fachgerechter Unterkonstruktion. Für diese Nutzung ist Thermoesche gut geeignet: hart genug für den Tritt, formstabil und splitterarm.

Verlegung, Schrauben und Vorbohren

Wegen der größeren Sprödigkeit gilt eine einfache Regel: schrauben statt schlagen. Verschraubungen sollten grundsätzlich vorgebohrt werden, damit die Diele an den Befestigungspunkten und besonders an den Enden nicht reißt. Eingeschlagene oder genagelte Clips sind ungeeignet, weil die Diele beim Einschlagen brechen kann. Für die seitlich genuteten Profile eignen sich verdeckte Clip-Systeme, die in die Seitennut greifen, ohne die Diele zu durchschlagen. Diese Clips werden verschraubt, nicht gehämmert. Bei den Schrauben genügt im Normalfall Edelstahl A2 (V2A). Edelstahl A4 (V4A) empfiehlt sich bei sichtbaren Schraubenköpfen sowie in Küsten- und Poolnähe.

Kurzer Vergleich mit anderen Terrassenhölzern

Furfuryl-modifizierte Kiefer ist ebenfalls ein modifiziertes Holz, entsteht aber über ein anderes Prinzip: Die Kiefer wird mit biobasiertem Furfurylalkohol getränkt, der in den Zellen aushärtet. Sie erreicht ebenfalls Dauerhaftigkeitsklasse 1, ist weniger spröde, liegt aber im Premium-Preisniveau. Bangkirai ist ein Tropenhartholz, deutlich dichter und härter und nicht spröde, bringt jedoch die Herkunftsthematik von Tropenholz mit und lässt sich schwerer bearbeiten. Sibirische Lärche ist das günstige Einstiegsholz, aber mit Dauerhaftigkeitsklasse 3 bis 4 und rund 10 bis 15 Jahren Nutzungsdauer klar weniger dauerhaft und neigt stärker zu Rissen und Verzug. Thermoesche ordnet sich damit als heimische, chemiefrei behandelte Lösung mit hoher Dauerhaftigkeit und guter Formstabilität ein. Der Preis für diese Eigenschaften ist die etwas geringere Festigkeit.

Unsere Thermoesche Terrassendielen sind seitlich genutet für verdeckte Befestigung und deutschlandweit lieferbar. Eine Übersicht der aktuell verfügbaren Profile und Leisten finden Sie in unserem Sortiment.