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Holzlexikon

Bongossi

Bongossi (Lophira alata)

Bongossi ist der im deutschen Holzhandel gebräuchliche Name für das Holz der Art Lophira alata, eines großen tropischen Laubbaums aus West- und Zentralafrika. International läuft dasselbe Holz unter den Handelsnamen Azobé (französisch und belgisch), Ekki (britisch und niederländisch) sowie Red Ironwood (englisch). Bongossi gehört zu den härtesten, schwersten und dauerhaftesten Hölzern, die überhaupt im Handel sind. Seit über hundert Jahren ist es in Europa das klassische Holz für den schweren Wasserbau, etwa für Hafenanlagen, Schleusentore, Buhnen, Brückenbeläge und Eisenbahnschwellen. Für Terrassen ist es das Material der Wahl, wenn maximale Härte, Tragfähigkeit und Lebensdauer gefragt sind.

Botanische Einordnung und Herkunft

Bongossi stammt von Lophira alata Banks ex Gaertn. f. aus der Familie der Ochnaceae. Die Gattung Lophira umfasst nur zwei Arten, neben der Waldart Lophira alata noch die Savannenart Lophira lanceolata. Als wichtiges botanisches Synonym wird Lophira procera A. Chev. geführt, das in der älteren Literatur teils als eigene Varietät erscheint, heute aber mit Lophira alata gleichgesetzt wird.

Die Vielzahl der Handels- und Volksnamen sorgt regelmäßig für Verwirrung, gemeint ist jedoch immer dieselbe Art. Geläufig sind unter anderem Bongossi, Azobé, Ekki und Red Ironwood sowie afrikanische Bezeichnungen wie Bonkolé, Akoga, Eba, Kaku und Esoré.

Verbreitung und Baum

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in den immergrünen Tieflandregenwäldern West- und Zentralafrikas. Belegt ist die Art unter anderem in Sierra Leone, Liberia, der Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria, Kamerun, Äquatorialguinea, Gabun, der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo. Die heute wichtigsten Ausfuhrländer sind Kamerun, Gabun und die Republik Kongo. Im westlichen Teil des früheren Areals ist Lophira alata dagegen vielerorts selten geworden oder lokal verschwunden.

Lophira alata ist ein großer, immergrüner Baum. Er erreicht etwa 40 bis 50 m Höhe, mit einem langen, geraden und zylindrischen Stamm, der oft bis in rund 30 m Höhe astfrei ist. Ausgeprägte Brettwurzeln fehlen meist, der Stammfuß ist allenfalls leicht verdickt. Der Stammdurchmesser liegt häufig bei etwa 1,2 bis 1,8 m, reife Bäume überschreiten regelmäßig einen Meter.

Aussehen (Farbe und Maserung)

Das Kernholz von Bongossi ist auffällig dunkel. Die Farbe reicht von dunkelrot über schokoladenbraun bis ins Violettbraune. Frisch bearbeitete Flächen wirken satt rotbraun und vergrauen unter freier Bewitterung mit der Zeit silbergrau, so wie man es von dauerhaften Tropenhölzern im Außenbereich kennt. Das Splintholz ist deutlich abgesetzt, blass rosaweiß und nur wenige Zentimeter breit. Es ist nicht dauerhaft und wird bei sortiertem Terrassenholz in der Regel ausgeschlossen.

Das wohl typischste Erkennungsmerkmal sind die hellen, weißlichen Einlagerungen in den Poren. Diese kalkartigen Mineraleinlagerungen bilden auf dem dunklen rotbraunen Grund kleine, aber gut sichtbare helle Sprenkel und Streifen. Sie sind das verlässlichste optische Kennzeichen der Art. Die Maserung ist wechseldrehwüchsig und dabei deutlich ausgeprägt, die Struktur ist grob, der natürliche Glanz gering. Ein charakteristischer Geruch fehlt.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Kieselsäure: Die weißen Einlagerungen werden oft als Kieselsäure beschrieben, doch der gemessene Silikatgehalt des Holzes ist mit unter 0,05 Prozent vernachlässigbar gering. Die hellen Ablagerungen sind örtlich begrenzte Mineraleinlagerungen in den Gefäßen, kein hoher Kieselsäureanteil im Holz. Der starke Werkzeugverschleiß bei der Bearbeitung geht daher in erster Linie auf die extreme Dichte und Härte zurück, nicht auf Kieselsäure.

Technische Eigenschaften

Dichte und Härte

Bongossi ist eines der schwersten Handelshölzer überhaupt. Die Rohdichte bei 12 Prozent Holzfeuchte liegt bei etwa 1.000 bis 1.100 kg/m³, die meisten verlässlichen Quellen nennen Werte um 1.060 bis 1.065 kg/m³. Damit ist das Holz dichter als Wasser und geht im frischen wie im trockenen Zustand unter. Frisches Holz ist mit rund 1.150 bis 1.250 kg/m³ noch deutlich schwerer.

Auch in der Härte gehört Bongossi zur Spitzengruppe. Die Janka-Härte liegt bei rund 3.200 lbf (etwa 14.300 N), die Monnin-Härte nach CIRAD bei 10,7 (sehr hart). Zur Einordnung: Bongossi ist damit grob 1,4 mal so dicht und ungefähr 2,3 bis 2,4 mal so hart wie europäische Eiche. Die mechanische Festigkeit ist entsprechend hoch, mit einer Biegefestigkeit um 195 MPa und einem Elastizitätsmodul um 19 GPa.

Dauerhaftigkeit nach EN 350

Bongossi ist außergewöhnlich dauerhaft. Gegen holzzerstörende Pilze wird das Kernholz nach EN 350 als Klasse 1 bis 2 (sehr dauerhaft bis dauerhaft) eingestuft. CIRAD bewertet das Kernholz mit Klasse 2 (dauerhaft), viele Quellen geben aufgrund der hervorragenden Praxisbewährung Klasse 1 an. Gegen Termiten gilt das Holz nach EN 350 als dauerhaft bis mäßig dauerhaft, einzelne Quellen stufen die Termitenresistenz nur als mäßig ein, weshalb dies eher der schwächere Punkt ist.

Gegen Insekten und Trockenholzbohrer ist das Kernholz dauerhaft, ein Risiko besteht praktisch nur im ausgeschlossenen Splint. Gegen marine Holzschädlinge wie Schiffsbohrwurm und Bohrassel ist Bongossi in kühlem, gemäßigtem Wasser gut beständig, in warmem tropischem Meerwasser dagegen nur mäßig. Aufgrund dieser Eigenschaften deckt das Kernholz die Gebrauchsklasse 4 (ständiger Erd- und Süßwasserkontakt) ab und in gemäßigten Gewässern auch die Gebrauchsklasse 5 (ständiger Meerwasserkontakt). Bei richtiger Konstruktion und Ausschluss des Splints erreicht Bongossi in anspruchsvollen, nassen Anwendungen Standzeiten, die 50 bis 60 Jahre überschreiten können.

Eine Imprägnierung ist weder nötig noch praktisch möglich. Das Kernholz ist nicht tränkbar (Imprägnierbarkeit Klasse 4), die Dauerhaftigkeit ist also rein natürlich und nicht das Ergebnis einer Behandlung.

Maßhaltigkeit und Bewegung

Bongossi trocknet langsam und ist schwierig fehlerfrei zu trocknen. Es neigt zu Oberflächen- und Endrissen sowie zu Verformungen, die Kammertrocknung muss schonend und bei niedriger Temperatur erfolgen. Das Schwindmaß ist hoch, das Holz gilt als schlecht maßhaltig, das tangentiale Schwinden liegt bei etwa 10 bis 11 Prozent, das radiale bei rund 7 bis 8 Prozent. Im eingebauten Zustand ist das Arbeiten als mittel einzustufen. Für die Praxis heißt das: Mit deutlicher saisonaler Bewegung ist zu rechnen, feine Oberflächenrisse auf bewitterten Dielen sind normal und rein optisch. Großzügige Fugen, gute Belüftung und gleichmäßiges Abtrocknen beider Dielenseiten halten das Arbeiten in Grenzen.

Typische Verwendung

Bongossi wird überall dort eingesetzt, wo höchste Härte, Tragfähigkeit, Abriebfestigkeit und Dauerhaftigkeit in nassen oder erdberührten Lagen gefragt sind. Klassische Anwendungen sind:

  • schwerer Wasser- und Hafenbau: Schleusentore, Spundwände, Fender, Dalben, Stege, Buhnen und Wehre
  • Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Brückenbeläge
  • Eisenbahnschwellen
  • schwere Industrieböden und Bergbauhölzer
  • strapazierfähige Terrassen und Außenbeläge mit hoher Belastung

Im Garten- und Terrassenbau ist Bongossi die Wahl für Konstruktionen, die viel aushalten müssen, etwa stark beanspruchte Belagsflächen, Stege am Wasser oder Terrassen, die auf maximale Lebensdauer ausgelegt sind.

Pflege

Bongossi braucht keine schützende Behandlung, um dauerhaft zu sein. Wer den natürlichen Farbverlauf akzeptiert, lässt die Diele einfach vergrauen, die silbergraue Patina ist rein optisch und mindert die Haltbarkeit nicht. Soll der warme rotbraune Ton länger erhalten bleiben, kann ein UV-beständiges Hartholzöl aufgetragen werden, das je nach Bewitterung ein- bis zweimal pro Jahr aufgefrischt wird. Vor dem ersten Ölen sollte das Holz ausreichend abtrocknen, da dichte Tropenhölzer das Öl nur langsam aufnehmen.

Im Alltag genügt regelmäßiges Kehren und gelegentliches Reinigen mit Wasser und einer weichen Bürste. Stehende Nässe und Laub auf der Fläche sollten vermieden werden, damit beide Seiten der Diele gut abtrocknen können. Ein wichtiger Hinweis betrifft Metall: Die Gerbstoffe im Holz reagieren mit gewöhnlichem Stahl und Eisen zu dunklen Flecken, daher sollten nur nicht rostende Befestiger und Beschläge aus Edelstahl verwendet werden.

Verlegung

Bei der Verarbeitung macht sich die extreme Dichte ständig bemerkbar. Wegen des hohen Eigengewichts müssen Unterkonstruktion und Auflager auf die Last ausgelegt sein. Der Stützabstand sollte enger gewählt werden als bei leichteren Hölzern, je nach Dielenstärke etwa 40 bis 50 cm.

Für die Bearbeitung gilt:

  • Werkzeug: Hartmetallbestücktes Werkzeug ist faktisch Pflicht, der Werkzeugverschleiß ist sonst sehr hoch. Für das Sägen größerer Mengen sind stellitbestückte Sägezähne empfehlenswert.
  • Vorbohren: Jedes Befestigungsloch muss vorgebohrt werden, sowohl beim Nageln als auch beim Schrauben. Ohne Vorbohren reißt das Holz oder die Schraube bricht ab. Vorgebohrt halten Schrauben und Nägel sehr gut.
  • Befestiger: Edelstahlschrauben A2 (V2A) verwenden, bei sichtbarer Verschraubung, in Küsten- oder Poolnähe sowie bei gerbstoffreichen Hölzern wie Bongossi besser A4 (V4A), damit sich um die Schraubenköpfe keine dunklen Gerbstoffränder bilden. Mit normalem Stahl reagiert das Holz zu schwarzen Eisenflecken. Sichtbares Verschrauben in vorgebohrte, gesenkte Löcher ist die zuverlässigste Methode.
  • Verkleben: Verklebungen sind im Außenbereich unzuverlässig, im Terrassenbau ausschließlich mechanisch befestigen.

Die Dielen sollten vor Ort akklimatisieren. Zwischen den Brettern und zum Untergrund hin sind Belüftungs- und Bewegungsfugen einzuhalten, einseitige Durchfeuchtung verstärkt das Schüsseln. Feine Oberflächenrisse sind bei diesem Holz normal und kein Mangel.

Nachhaltigkeit und Herkunft

Bongossi ist ein Tropenholz aus dem Kongobecken, daher gehört ein Blick auf Schutzstatus und Legalität dazu.

  • IUCN: Lophira alata wird auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft. Die Bewertung beruht auf einer älteren Einschätzung und spiegelt den Druck durch Holznutzung und Lebensraumverlust wider. Die Art ist also gefährdet, aber nicht akut vom Aussterben bedroht.
  • CITES: Die Art ist nicht im Washingtoner Artenschutzübereinkommen gelistet. Es gibt keine CITES-Genehmigungspflicht, der Handel ist insoweit frei.
  • EUTR und EUDR: Als afrikanisches Tropenholz unterliegt Bongossi den europäischen Sorgfaltspflichten, früher nach der EU-Holzhandelsverordnung (EUTR), heute nach der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Verlangt werden Nachweise, dass das Holz legal und entwaldungsfrei geschlagen wurde, einschließlich Geolokalisierung der Herkunftsfläche. Da das Kongobecken als Region mit erhöhtem Legalitätsrisiko gilt, sind lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit entscheidend.
  • FSC: FSC-zertifiziertes Bongossi gibt es, vor allem aus zertifizierten Konzessionen in Gabun, Kamerun und Kongo. Die zertifizierten Mengen sind jedoch begrenzt und nicht für jede Bestellung garantiert, eine Zertifizierung sollte pro Lieferung bestätigt werden.

Verantwortungsvoll heißt bei Bongossi also: legale, dokumentierte und nach Möglichkeit FSC-zertifizierte Herkunft aus dem Kongobecken. Die Art ist auf der Roten Liste als gefährdet geführt, aber legal handelbar, weil sie nicht unter CITES fällt. Aufgrund seiner Herkunft und der aufwendigen Beschaffung hat Bongossi eine längere Lieferzeit, die Verfügbarkeit wird am besten vorab abgestimmt.